V. l. n. r.: Dr. Rowald Hepp, Wolfgang Junglas, Prof. Dr. Hans-Reiner Schultz (Foto: Michael Else)
des Jahres 2026
Mit Prof. Dr. Hans-Reiner Schultz hat die Weinfeder eine Persönlichkeit ausgezeichnet, deren Wirken den deutschen Weinbau, die Forschung und die Ausbildung von Generationen geprägt hat. Die Laudatio würdigte den Wissenschaftler und Hochschulpräsidenten ebenso wie den Menschen Hannes Schultz: bodenständig, fair, humorvoll und ausdauernd.
Redaktionelle Zusammenfassung der Laudatio von Dr. Rowald Hepp
Geboren im Februar 1959, wuchs Schultz in einem vom Weinbau geprägten Umfeld auf: die Mutter aus Kallstadt in der Pfalz, der Vater an die Mosel verschlagen. Nach dem Studium in Geisenheim führte ihn ein Fulbright-Stipendium nach Davis in Kalifornien. Dort befasste er sich früh mit einem hochaktuellen Thema: dem Wachstum der Rebe unter Wassermangel. Es folgten Stationen in Geisenheim und Davis sowie die Promotion zu Photosynthese, CO2-Gaswechsel und Wassertransport. Viele Arbeiten gelten heute als Grundlagen für Praxis, Laubwandmanagement und Forschung.
Nach Forschungs- und Lehraufenthalten unter anderem in Davis, Montpellier und Wagga Wagga wurde Schultz 1995 nach Geisenheim berufen. Später leitete er Institut und Forschungsanstalt, von 2009 bis 2012 als Direktor. Besonders hervorgehoben wurde seine Rolle bei der Neuausrichtung der Hochschule Geisenheim. Nach der Kündigung des Staatsvertrages durch Rheinland-Pfalz trieb Schultz deren Positionierung mit großer Energie voran: als Präsident, Stratege, Netzwerker, Forscher, Lehrer und Werber für neue Wege.
Ein Leitmotiv dieser Zeit fasste er 2013 zur Gründung der Hochschule Geisenheim University zusammen: „Alle sagten, es geht nicht – bis einer kam, der es einfach gemacht hat.“ Darin sah der Laudator den Kern seines Wirkens. Unter seiner Mitverantwortung entstanden bauliche Veränderungen von mehr als 100 Millionen Euro, eine Neuausrichtung von Forschung und Lehre sowie ein internationales Netzwerk mit mehr als 50 Institutionen.
Gewürdigt wurde auch Schultz’ wissenschaftliche Breite: mehr als 35 betreute Promovierende, über 150 Diplom- und Bachelorarbeiten, zahlreiche Veröffentlichungen sowie Publikationen mit 178 Forschungskolleginnen und -kollegen aus 20 Ländern. Hinzu kommen Einladungen zu internationalen Symposien und Berufungen in zahlreiche Gremien, darunter Beratungskreise zu Klimawandel und Transformation der Landwirtschaft.
Bei aller Fachlichkeit blieb die Laudatio persönlich. Schultz wurde als Professor beschrieben, der komplizierte Sachverhalte verständlich, witzig und locker erklären kann; als Mensch, der begeistert, fair diskutiert und auch in schwierigen Situationen nicht nachtragend ist. Sein Einfluss auf Weinbau, Forschung und kommende Generationen von Entscheidungsträgern lasse sich nur annähernd beschreiben.
Die Weinfeder, so das Fazit, hätte für die Weinpersönlichkeit des Jahres 2026 kaum eine bessere Wahl treffen können. Sollte sie eines Tages eine Weinpersönlichkeit des Jahrzehnts küren, werde sie an Prof. Dr. Hans-Reiner Schultz nicht vorbeikommen.
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